Geschichte der Saalfeldener Schützen!

Wie entstand das Schützenwesen im Allgemeinen und wie kam es zur Aufstellung von   Fähnlein, später Schützenkompanien genannt und daneben dem Landsturm? Es ist eine Frage die nur in ein paar Worten nicht zu erklären ist.

Die Chroniken geben Auskunft und es würde  den Rahmen dieser Homepage sprengen, wenn diese Information im Detail zusammengeführt und hier wiedergegeben würde. Daher haben wir uns  erlaubt, das Hauptaugenmerk auf die Saalfeldener Schützen und dem Saalfeldener Landsturm zu setzen. So manche Geschehnisse, die bereits andere Kompanien ausführlich,  mit mehr Mitteilungswert bedacht, wiedergegeben haben, wurden  bei uns jedoch  nicht mehr so im Einzelnen behandelt.  Es ist auch gut so! So kann eine jede Einheit den Kampfgeist und den außerordentlichen Mut der Männer in den Zeiten der Kriegerischen Epoche lebendig und im Herzen der Einheit halten.

 

Auszug aus dem Bürgerbuch von Saalfelden, geschrieben vom ehemaligen Bürgermeister Joseph Thalmayr  der ältere 1787-1856 2. Adjutant von Anton Wallner (weitestgehend wortgetreu wiedergegeben)

Jedermann hört mit Vergnügen geschichtliche Ereignisse der Vorzeit und mit vergnüglichen Interesse diejenigen welche den Ort der Heimat betreffen. Leider aber geraten selbst die vorzeitigen,  oder altertümlichen Vorfälle durch neuere verdrängt. Bald in Vergessenheit, oder sie werden wenigst in der mündlichen Überlieferung nach und nach unlauter und verunstaltet und verlieren dadurch an Ansicht und Glaubwürdigkeit.

 

Desto schätzbarer und anziehender sind daher derlei schriftlichen Aufzeichnungen, welche von der Hand der damaligen Zeitgenossen niederschrieben. Einen untrüglichen Stempel der Wahrheit an sich trugen und oft auch über den gegenwärtigen Bestand der Dinge Aufklärungen verbreiteten, die sonst nicht mehr enträtselt werden könnten.

 

Solche schätzbaren Aufzeichnungen sind auch seit mehr als 300 Jahren in diesem  Buche in Bezug  auf den Markt  und die Bürgerschaft Saalfelden mit der den alten, eigenen prunklosen aber kräftigen, kurzen Eingetragen worden und es ist dies für jeden künftigen Bürgermeister eine Aufforderung, wenigst die merkwürdigen Vorfälle seiner Zeit dem Andenken der späteren Nachkommen in diesen Blättern aufzubewahren.

 

Seit dem Jahre 1761 wurde in diesem Buche nichts mehr nachgetragen. Dagegen aber unter dem Bürgermeister Mat…..? mit dem Jahre 1800 ein neues Bürgerbuch angefangen, welches jedoch in dem Brande 1822 nebst vielen anderen Marktakten wieder zu Grunde ging. Ich, dermaliger Bürgermeister, habe daher dieses alte Buch wieder zur Hand genommen, selbst mit neuem Einband versehen lassen und zum fortgesetzten Gebrauch sinnlich eingerichtet. Zum Vortrag der Bürgermeister, Viertlmänner und der gründlichen Bürger wurden am Schlusse eigene Tabellen angehängt. Für die Bürgeraufnahmen, Bußzuschreibungen, Verpachtungen, Urbarshandlungen ein eigenes Protokoll eröffnet.

 

Anton Wallner

Hier sollen die

Geschichtlichen Merkwürdigkeiten

ihren Platz finden, welche ich seit Anfang des  laufenden Jahrhunderts in gedrängter Kürze nachhole.

 

1800

Ein unglücklicher Krieg welcher nach der Französischen Revolution ausgebrochen und seit beinahe 10 Jahren in Italien und am Rhein gewütet hatte, machte in diesem Jahr auch das Land Salzburg zu seinem Schauplatz und drohte sogar in unsre friedlichen Gaue  einzudringen.

 

Zu Anfang des Monats Dezember ward zwischen den Franzosen und den Kaiserlichen auf dem Schlachtfeld eine blutige Schlacht geliefert und obschon selbe zu Gunsten der Kaiserlichen ausfiel, dennoch die Hauptstadt Salzburg ohne Schuss oder Schwertstreich den Franzosen überlassen und vom General Moreau okkupiert.

 

Pinzgaus Feuerschützen zogen im Advent vereint mit den Tirolern und Kaiserlichem Militär aus, ihre Gebirgsgrenzen gegen die Franzosen zu verteidigen und besetzten Melleck Hr. Pfleger von Sonnenburg zu Lofer und der dortige Mautschreiber Strucker kommandierten die Schützen. Am heiligen Weihnachtsvorabend machte der Feind bei Schneizlreith gegen die, auf dem Botenbühel verschanzten Schützen, einen ernsthaften Angriff. Das Gefecht dauerte vom anbrechenden Tag bis 4 Uhr abends, wobei die Franzosen mit Verlusten einiger hundert Mann sich wieder zurückziehen mussten, während von den Schützen kein einziger verunglückte. Im Frühling 1801 hielt die Gemeinde Saalfelden deswegen einen feierlichen Danksagungskreuzgang nach Kirchental, wo eine, von den Loferern geopferte schöne Votivtafel, jenes merkwürdige Ereignis verewigte.

 

Inzwischen traten Österreich und Frankreich in Friedensunterhandlungen und schlossen zuerst einen Waffenstillstand, gemäß welchen nebst anderer festen Plätze, auch Tirol und das salzburgische Gebirgsland den Feind als Pfand gegen zugesicherte friedliche Behandlung zur Besetzung eingeräumt werden musste. Diesem zufolge begann das Jahr. 

"Eisenfresser!" Johann Panzl

1801  

Mit dem Einzug der Franzosen in Saalfelden. Am Neujahrstag kamen nach 8 Uhr morgens zuerst 7 Husaren, welche auf der Pfleg abstiegen und dann zum Auerwirt ins Quartier eingewiesen wurden. Dort waren aber vier Tiroler eingekehrt, um das Benehmen der Franzosen zu beobachten. Die Franzosen riefen den Tirolern zu: „Gut Freund!“ Diese aber zielten mit ihren Gewehren auf die Franzosen und drohten sie niederzuschießen. Es entstand (unlesbar), die Franzosen flüchteten zu ihrem Rittmeister auf die Pfleg und  es kostete das Pfleggericht und dem Bürgermeister einige Mühe, um beide erbitterten Teile endlich zur Ruhe zu bringen. Die Tiroler wollten den Franzosen nicht trauen und dem Waffenstillstand nicht glauben. Ins Tirol wurden die Franzosen nicht anderst eingelassen, als das sie die Waffen an der Grenze ablegten.

 

Am Neujahrstag nachmittags, rückten zwei Bataillons und die nächsten Tage darauf noch mehrere  französische Infanterie und Husaren nach, welche dann in ganz Pinzgau sich in Standquartiere verteilten. Ob schon die Franzosen als Freunde zu kommen versicherten, so entsprach das ihr Betragen dieser schönen Bedeutung nicht. Sie raubten und plünderten zwar nicht, aber es fehlte doch nicht an einzelnen Misshandlungen und Inquisitionen. Besonders war ihre Verpflegung sehr kostspielig, welche für jeden gemeinen des Tages auf 1…..?  und noch höher zu stehen kam. Der ganzen Unkosten belief  sich in unseren Geräte auf beiläufig 40.000 …? Beim Thomanbauer zu Uttenhofen fiel am Faschingssamstag ein Exzess vor,  wobei die Franzosen durch die geschlossene Zimmertür heraus einen Knecht erschossen.

 

Nach abgeschlossenen Frieden zogen diese unwillkommenen Freunde und teuren Gäste am 19. März von hier wieder ab. Es dauerte aber noch ziemlich lange, bis sie über den Rhein zurückkehrten.

Landsturm beim Fahneneid

1802

kam durch eine eigenen Hofratskommission wischen der Bürger – und Bauernschaft der schon mehrere Jahre unterhandelte Trennungsvergleich zustande. Gemäß welchem die Bürgerschaft, welche seit 1700 der Bauernschaft für 14 Viertllehen inkorporiert war, von selber als separate Kommunen wieder getrennt wurde. Der diesfällige Vertrag liegt bei den Akten.

Landsturm im Kampf!

1803

In Folge des Friedenstraktates zwischen Frankreich und Österreich wurden alle Geistlichen Fürstentümer in Deutschland säkularisiert. Dieses Los traf also auch das hohe Erzstift Salzburg, welches seit des Hl. Ruprechts Zeiten unter seinen Fürsterzbischöfen geblüht hatte. Salzburg mit den dazu gezogenen Fürstentümern Aichstadt Passau und Berchtesgaden erhielt des Kaisers Bruder, Erzherzog Ferdinand zum Landesherrn, der bald darauf zum Landesfürsten erhoben wurde. Das Rührende Abtretungspatent des Erzbischofs Hyronimus und das Besitznahmepatent des neuen Landesherren wurde am 11. Feb. 1803 feierlich publiziert.

 

1804

Am 3. Juli wurde das Gericht Saalfelden von einer gewaltigen Hagelplage Heimgesucht, der die Ernte beinahe total zerstörte.

Auszug zur Schlacht

1805

Brach zwischen Frankreich und Österreich neuer Krieg aus. Im August und September hatten wir Kaiserliche Durchmärsche von 3 Regimentern, welche von Pongau über Zell hierher und da über Leogang nach Tirol und Italien zogen. Die österreichische Waffe war abermal unglücklich. General Mach wurde bei Ulm mit einem großen Armeecorps  gefangen. Schon zu Ende Oktober retirierte viel Kaiserliches Militär in Eilmärschen auch hier durch. Tirol verteidigte abermals seine Grenzen. Auch unsre Schützen zogen wieder aus und Besetzten jedoch nur wenige Tage Luftenstein und Hirschbühel. Am Allerheiligentag griffen die, mit Frankreich alliierten Bayern den Tirolischen Pass Strub an, wo sie nach einem blutigen Gefecht mit einem Verlust von 2000 Mann sich wieder zurückziehen mussten. Lofer wurde geplündert. Hier hörte man dumpf Kanonenschüsse von Lofer und aus Furcht vor feindlichem Einfall, wagte man es am 1. und 2. November nicht, mit den Kirchenglocken zu läuten. Diese Gefahr ging aber für Saalfelden glücklich vorüber.

 

Die Pässe Luftenstein und Strub wurden niedergerissen, auch nach Salzburg mussten Schanzarbeiter gestellt werden.

 

Nachdem die feindliche Hauptarmee des französischen Usurpators, Kaiser Napoleon auch die Hauptstadt Wien erobert und so bis Com…. Nach Ungarn vorgedrungen war, wurde dieser unselige Krieg noch vor Ende dieses Jahres durch den Frieden zu Preßburg geendet. Hierauf erfolgten neuerliche Landveränderungen und so wurde

Schneidig auch die Dirndln!

1806

den 15. März das Land Salzburg mit Berchtesgaden dem Österreichischen Kaiserstaate einverleibt. Das Kurfürstentum Bayern erschwang sich zu einem Königreich und Tirol kam gegen  seiner Neigung unter Bayrische Landeshoheit.

 

Die alte deutsche Reichsfassung – das Heilige römische  Reich betitelt, wurde aufgelöst. Dagegen bildet sich der Rheinische Bund und Protektion des Französischen Kaiser Napoleon. Österreich nahm schon 1804 den Titel als erblich deutsches Kaisertum an.

 

Um zwischen Pinzgau und Salzburg ohne Bereicherung  des Territoriums eine Verbindung herzustellen, wurde in diesem Jahre die Straße über den Hirschbühel gebaut. Wozu das Aerar und die sämtlichen Gerichte Pinzgaus, auch Zillertal und Hopfgarten konkurrierten.

 

1807 und 1808

Wurde das österreichische Tabakgefall…. ,dieselbe exerziert und bewaffnet und es signalisierte sich dadurch schon wieder der baldige Ausbruch eines neuen Krieges, ehe die schmerzenden Wunden der früheren vernarbet waren, schon im März.

1809

Ward derselbe von Seiten Österreichs durch das Vollmaß von Napoleons Übermut und Ungerechtigkeiten, notgedrungen in einem öffentlichen Manifest gegen Frankreich und dessen Konföderierte  erklärt.

 

Anfang April standen die Tiroler auf und nahmen das in Ihrem Lande gelegene Bayrische Militär größtenteils gefangen. Große Transporte solcher Gefangener wurden über Lofer, Diesbach und Hirschbühel nach Salzburg geliefert. Es wurden große Lieferungen an Vieh, Getreide und Fourage in das Kaiserliche Militärmagazin nach Salzburg requiriert. Auch mussten gegen Mitte April eine große Vorspannstellung zum Vorrücken der Kaiserlichen Armee nach Bayern gestellt werden. Alleine auch dies Krieg begann schon wieder mit Unglück.

Die Kaiserlichen wurden bei Landshut geschlagen und mussten in Verwirrung retirieren, wobei unsere Bauern viel Vorspannpferde und Wagen verloren. Am 29. April zogen schon die Bayrischen Truppen in Salzburg ein. Das aldort gestandene kaiserliche Militär und die Leut welche unter dem General Jellaschits zogen sich zur Verteidigung des Passes Lueg nach Werfen zurück. Der Pass Strub wurde von den Tirolern und zu Folge eines von Feldmarsch. Lieut. Chasteller in Tirol hierher gelangten Aufgebotes auch der Hirschbühel und Luftenstein von Pinzgaurischen Schützen und Landstürmen dem eigenen Militär und Landwehren besetzt.

Dieser Schützenausmarsch geschah am 4. Mai. Am 11. Mai (Christi Himmelfahrt) brachen die Bayrischen Truppen von unseren Seiten und so auch durch den Pass Strub ins Tirol ein. Auch Luftenstein wurde am 11. Und 12 Mai angegriffen aber nicht forziert. Die Bayrische Armee unter Kommando des Gerneral Wieden rückte in Tirol bis Innsbruck vor und verübte Mord Brand und die unerhörtesten Grausamkeiten. Dem ungeachtet blieben Hirschbühel und Luftenstein. Sowie auch der Pass Lueg noch bis 20. Mai besetzt, an wlechem Tag des Kaisers Militär und die Ladwehren zur Retirat nach Steiermark abberufen ward, wonach also auch unsre Schützen nach Hause kehrten.

Die Salzburgischen Landwehren hatten sich größtenteils in Verwirrung aufgelöst. Ein Teil derselben kam nach Steiermark und sogar nach Ungarn, von wo viele später einzeln zurück mit flohen.

Mehrere unserer Landwehrmänner kamen gar nicht mehr zum Vorschein. Am Pfingstsonntagnachmittags kam die erste Bayrische Patrouille, 4 Dragoner, nach Saalfelden und am 23. Mai 77 Mann Infanterie, welche in der Freie kampierten. Indessen ward eine Deputation an den Bayrischen Kronprinz nach Salzburg abgeschickt, welche Schonung und freundliche Behandlung gegen Einlieferung der Waffen für Pinzgau erwirkte.

 

Bei der Hauptarmee war inzwischen am 20. Und 21. Mai die fürchterliche Schlacht bei Aspern vorgefallen und Napoleon rief den Geral Wieden mit der Bayrischen Armee aus Tirol  zur Hauptarmee.  Aber die Tiroler verfolgten diesen Rückzug und besetzten wieder ihre Grenzen. In der Festung Kufstein aber blieb aber Bayrische Besatzung, ebenso auch in Salzburg. Nun erschien im Pinzgau ein von der Tirolerischen Intendantschaft bevollmächtigter (Anton Wallner), der die aufgelösten Landwehren und Schützen wieder unter Waffen rufen und mit selben als Oberkommandat die diesseitigen Gebirgspässe besetzen und verteidigen sollte. Dies geschah, indem die Mittersiller Schützen zuerst den Luftenstein und Hirschbühel wieder bezogen, wohin die nächsten Tage auch von uns und den übrigen Pinzgaurischen, Schützen nachrückten. Hingegen ward im Pongau die Besetzung des Passes Lueg und der dortigen Zugänge lange nicht, erst in Mitte Juli gänzlich zustande gebracht.

 

Nachdem inzwischen bei der Hauptarmee in Österreich am 12. Juli ein Waffenstillstand abgeschlossen ward, wurde die Bayrische Armee unter Kommando des Reichsmarschalls Lefebre Herzog von Danzig neuerdings gegen Tirol abgeschickt. Schon wimmelte es in und um Salzburg von feindlichen Truppen als den kommandierenden General, dem Hr. Regierungspräsidenten von Salzburg, Fürstbischof von Chiemsee vollmacht gab, dem Salzburgischen Gebirgslande allgemeine Verzeihung anzukünden, wenn selbes freiwillig seine Waffen ablegen würde. Der Hr. Fürstbischof ging in eigener Person am 25. Juli an die Vorposten des Passes Lueg und erreichte dort seinen Gewirk, indem die Pongauer den Pass Lueg an die Bayrischen Truppen übergaben und selben den Eingang ins Pongau öffneten.  Hingegen am Hirschbühel wohin sich der Hr. Fürstbischof am 27. abends in der neuerlichen Absicht begeben hatte, war der Abgang noch nicht zu erzielen. Doch erfolgte solcher noch in der neuerlichen Nacht auf folgender art. Der Oberkommandant Anton Wallner war am 26. mit der meisten wehrbaren Mannschaft von Wießbach aufgebrochen und ein, dem weiteren Vordringen der durch Pongau eingerückten Bayrischen Truppen Einhalt zu thun, nach Taxenbach geeilt (Kampf an der Halbstundenbrücke), alswo es am 27. zu einer Attacke kam, welche von vormittags  10 Uhr bis zur Abenddämmerung dauerte, wobei zuletzt die Schützen von beiden Seiten heimlich von Eschenau und Embach vom Feinde überflügelt und versprengt wurde. Taxenbach erlitt bei diesem feindlichen Einfall zwar einigen Plünderungs- aber keinen Brandschaden. Zu Lofer waren ebenfalls am 27. die Bayern von Marschall Lefebre kommandiert, angerückt. Der Pass Strub ward von den Tiroler durch Kapitulation übergeben und auf gleiche Art erfolgt auch die Übergabe des Passes Luftenstein, indem allgemeine Verzeihung dem Pinzgau wie dem Tirol zugesichert wurde. Unsere Schützen kehrten also in der Nacht von 27. Auf den 28. Juli nach Hause. Dernach mussten abermals die Gewehre bei angedrohter Lebensstrafe eingeliefert werden.

Die Bayrische Armee welche diesmal in Tirol über den Brenner bis Sterzingen vorgerückt war, wurde neuerdings zur Retirade gezwungen und am 13. August wieder gänzlich aus Tirol gejagt. Dasselbe griff wieder allenthalben zur Defension  seiner Grenzen und der berühmte Sandwirt Andreas Hofer übernahm nun die Leitung das Kommando über ganz Tirol. Auch das Salzburgische Gebirgsland ward wieder mit Tirol gemeine Sache zu machen, aufgefordert. Die Mittersiller Schützen waren abermals die Ersten, welche die Hollwegen beim Schorn besetzten. Der Luftenstein konnte dieses Mal nicht besetzt werden, weil Bayrisches Militär in Lofer lag. Am 5. und 6. September rückten auch 2 Tiroler Schützenkompanien in Saalfelden ein. Anton Wallner übernahm mit erneuerter Vollmacht das Oberkommando in Pinzgau, alswo er am 7. September ankam. Über Taxenbach und Dienten rückten die Tiroler Schützen auch ins Pongau vor, welche das in Werfen gelegene Bayrische Militär vertrieben und den Pass Lueg in wenigen Tagen Besetzten. Die Pongauer mussten nun auch der Defension beitreten und ein tirolischer Kapuziner Pater Joachim führte dort das Kommando. In Saalfelden war nun Schutzdeputation aus bevollmächtigten von den 4 Gerichten Pinzgaus niedergesetzt.

Am 19. September viel zu Weißbach ein kleines Gefecht vor, wobei ein Saalfeldener Bauer als Schützenlieutnant gefangen und blessiert wurde. Weil das feindliche Militär um Salzburg nicht stark war, machte man den Plan, die Bayern gänzlich aus dem Gebirge zu vertreiben. Zu dem Ende rückten mehrere Tiroler Kompanien ins Pinzgau und Pongau nach und es wurde Anstalt zu einem allgemeinen Angriff getroffen.

Der 25. September ward dazu bestimmt. Von Strub und Weißbach aus wurde das in Luftenstein und Lofer gelegene Bayrische Militär angegriffen, teils gefangen, blessiert und getötet und der Überrest bis Reichenhall zurückgetrieben. Die Tiroler postierten sich auf Melleck  und verschanzten den Bothenbühel. Über den Hirschbühel rückte nun am 26. bis Berchtesgaden ohne Wiederstand vor. Vom Pass Lueg aus ging es gleichfalls vorwärts bis Hallein, welches die Schützen am 28. besetzten. Bald aber ging es auf allen Seiten wieder retour. Schon am 3. Oktober wurden die Schützen aus Hallein versprengt und bis Lueg zurückgedrängt. Von Berchtesgaden mussten sie am 5. zurück bis Hirschbühel fliehen. So blieb es ruhig bis auf den 17. Oktober, an welchem Tage die ganze Schützenbesatzung am Melleck von den Bayern umzingelt teils gefangen und der größte Teil an den Bergen versprengt wurde. Die Bayern avancierten nun bis Lofer und durch den Strub. Besetzten auch den Luftenstein. Die Schützen mussten auch vom Hirschbühel sich zurück in den Hollwegen ziehen, alswo beim Schorn eine Verschanzung angelegt wurde. Dem 18. wurden sie auch hier angegriffen, doch hielten sie sich. Fronwies wurde diesen Abend abgebrannt.

Nun trachtete die Pinzgauer Schutzdeputation, da jede Hoffnung verschwunden war, durch Kapitulation das bevorstehende Unglück der feindlichen Verheerung noch abzuwenden und schloss solche am 19. Oktober morgens zu Weißbach mit dem kommandierenden  königlich- bayrischen General Sechberg, wodurch nochmals Schonung des Eigentums und freundliche Behandlung gegen Einlieferung der Gewehre und Stellung zweier Männer als Geiseln nach Salzburg erlangt wurde. Die bayrischen Truppen gingen noch denselben Abend bis Saalfelden. Lagerten aber etliche Tage und marschierten dann über Mittersill zur Armee ins Tirol, alwo gewar noch eine Weile in einigen Tälern Kriegsunruhen vorfinden, welche auch endlich zudampft wurde, nachdem schon früher unterm 14. Oktober zwischen der französischen und österreichischen Hauptarmee Friede geschlossen wurde.

Zur mehren Glaubwürdigkeit der vorerzählten Ereignisse dieses Jahres sei hier noch beigefügt, dass ich (Bürgermeister) damals 21 Jahre alt, alle 3 Mal mit unseren Schützen selbst ausmarschiert und die 2 Letzten Ausmärsche die Charge eines Adjutanten der Ober Kommandant Schaft bekleidete, also Augenzeuge dieser Auftritte war. Möge die Gemeinde zu ähnlichen unsinnigen Unternehmungen sich nie mehr verleiten lassen. Es war ein außerordentliches Glück, dass unsere Gegend dennoch den schrecklichen Unheilen  feindlicher Verwüstung noch entging. Wenigst hatten wir uns aber doch große Unkosten zugezogen. Der Bauer und Handwerker bleibe bei seiner Arbeit zu hause.

Es versteht die Waffen mit gutem Erfolg nicht zu führen und weiß sich in die Militärischen Verhältnisse nicht zu schicken. Es herrschte allenthlaber nur Unordnung und Verwirrung. Pinzgau ward auch vielmehr nur durch den Einfluss Tirols als aus eigenem Antrieb dahingerissen. Man musste mit Tirol gemeine Sache machen, wenn man sich nicht seinen Misshandlungen aussetzen wollte. Tirol ließ sogar Pfleger und öffentliche Beamte abführen, wenn selbe die Defension nicht tätig genug unterstützten. Dieses Los war  auch unseren Pfleger Josef Lottersperger wiederfahren.

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