Die Geschichte der

"Alten Saalfeldener Schützenfahne" 

1783 – 1997

 

Zeittafel

 

 

1783

Die Feuerschützen des Pflegegerichts Saalfelden bitten den Fürsterzbischof Colloredo um eine neue Schützenfahne, da die alte Fahne „vom Altertum her“ unbrauchbar sei.

1784

Weihe der Fahne. Das alte Fahnenhaupt mit den drei Tannen wurde vergoldet und wiederverwendet.

1800-

1809

Freiheitskämpfe. Die Fahne, welche „die Farben Österreichs trägt“, geht  mit den Saalfeldener Schützen an die Front.

1810-

1895

Die Fahne verbleibt bei der nach Aufhebung des Verbotes wieder- erstandenen Saalfeldener Schützengesellschaft. Bei Ausrückungen wird sie (gelegentlich?) mitgeführt.

1896

Die Saalfeldener Schützengesellschaft erhält eine neue Fahne mit gleichem Fahnenhaupt. Die alte Fahne bekommt einen Ehrenplatz in der Pfarrkirche rechts am ersten Pfeiler des Hauptschiffes. Bis zum Beginn des ersten Weltkrieges rücken bei besonderen Festlichkeiten beide Fahnen aus.

1915

Der neu aufgestellte Verband der k.k. Freiwilligen Schützen Salzburgs nimmt die nunmehr schon alte Fahne als sein Feldzeichen mit an die Italienfront.

 

Aufstellung zur Parade am Nassfeld (in Hermagor), vor dem Generalmayor Johann Fernengel; Kommandant der 43. Landwehr/ Schützen Division, in die das Bann der K.K . Freiwilligen Schützen von Salzburg in einer Stärke von ca. 1200 Mann eingegliedert wurde und sogleich nach ausgefolgter Ausrüstung mit Waffen (Mauser K95) und Gerätschaften an die Frontlinie der Kärntner Grenze abrücken mussten.

Die Salzburger Schützen erklärten sich freiwillig zu diesem Einsatz bereit, obwohl Ihnen auf Geheiß des Armee-Oberkommandos Erzherzog Eugen, nur die Verteidigung der Gebirgspässe des heimatlichen „Inner Gebirgs“ im Falle eines Einbruchs der Fronten im Süden aufgetragen wurde. Für viele Bauern und Bauernsöhne stellte dies eine ernste Situation dar. Sie hatten sich unter der Voraussetzung gemeldet, dass sie neben der Erfüllung ihrer Schützenaufgaben im engsten Heimatbereich weiterhin in der Lage sein würden, die Felder und Höfe zu bestellen und ihren Familien so die Lebensgrundlage zu erhalten. Dies war von Bedeutung in einer Situation, da die Väter und Brüder zumeist schon im Felde standen oder bereits gefallen waren.

Da in Kärnten ein Durchbruch und in weiterer Folge ein nahezu ungehinderter Marsch auf Wien zu befürchten war, musste die Frontlinie um jeden Preis gehalten werden. Als erstes stimmten die Halleiner Schützen unter dem Kommandanten Josef Strohmayr ab und erklärten sich einhellig bereit den Vaterlandsdienst anzutreten. Im gesamten Land erfolgten gleichlautende Entscheide und so rückten die K.K. Freiwilligen Schützen von Salzburg bestehend aus 91 Ortsverbänden zusammengeführt zu 6 Gauformationen und 2 Halbannen welche das „Bann der k. k. Freiwilligen Schützen Salzburgs“ unter dem Kommando des Majors a. D. Robert Wittek von Saltsberg bildete, aus. Nach dem Krieg verbleibt die Fahne beim Kameradschaftsbund der Freiwilligen Schützen in Salzburg.

 

 

Die Pinzgauer hatten eine komplette Ortsmusik mitgebracht, die nun am 20. September 1915 dem Baon mit klingendem Spiel voran in Hermagor einzog. Der Truppe voran flatterte die Schützenfahne aus Saalfelden, die schon bei den Kämpfen von 1800-1809 dabei gewesen war. In Hermagor erwartete der Abschnittskommandant, General von Henneberg, schon sehnsüchtig die Salzburger, die in einer Stärke von 1200 Mann in den Ort einzogen.

Der General dankte den Salzburgern, dass sie freiwillig zur Verteidigung der Heimat schritten und betonte, dass die Verteidigung der engeren Heimat aber nicht erst vor den Toren Salzburgs beginnen könne. Man müsse dem Feind schon an den Grenzen des Reiches den Eintritt verwehren. Man brauchte die Salzburger wahrlich notwendig an der Front. Aus den Worten des Generals sprach aber auch das schlechte Gewissen der Kommandostellen, die wussten, dass man das den Salzburger Schützen gegebene Wort hatte brechen müssen, um Kärntens Grenze in der Zeit höchster Not zu retten. (Textpassagen von der Homepage des Vereins der Ehemaligen K.K. Freiwilligen Schützen Salzburg)

 

1922

Gründung der Kameradschaft der ehemaligen k.k. Freiwilligen Schützen Salzburgs. Die Fahne wird bei allen Ausrückungen verwendet.

1930

Bei einer Sitzung am 30. Oktober genehmigen die Saalfeldener Schützen auf eine Anfrage der k.k Freiwilligen Schützen hin, die Fahne zu restaurieren. Die Rückstellung nach der Restaurierung wird gefordert.

1938

Auflösung aller Kameradschaften und Eingliederung ihrer Mitglieder in den Deutschen Kyffhauserbund. Gleichzeitig erging die Weisung, alle historischen Kriegsfahnen nach Potsdam abzuliefern. Dieser Weisung wurde nicht nachgekommen. Der ehemalige Freiwillige Schütze Fritz HLAWNA versteckte die Fahne im Fahnenfundus des Festspielhauses,

1984

Der damalige Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer spendet eine Nachbildung, da der Zustand der alten Fahne bedenklich schlecht geworden ist. Sie rückt nur mehr beim Begräbnis eines freiwilligen Schützen aus, der unter dieser Fahne gedient hat.

1994

Letzte Ausrückung der alten Fahne anlässlich des Todes des letzten noch lebenden Freiwilligen Schützen Sepp Preauer.

1996

Der Historischen Schützenkompanie Saalfelden gelingt es in Zusammenarbeit mit der Schützengesellschaft, den Aufenthaltsort der Fahne auszumachen und in der Folge Saalfeldens Besitzrechte zu beweisen. Dem Verlangen nach Rückführung wird stattgegeben.

1997

26. September: Feierliche Verabschiedung der Fahne in Salzburg.

1997

26. Oktober: Übergabe der Fahne in Saalfelden.

Kampf an der Halbstundenbrücke in Taxenbach!

Die oben erwähnte Fahne wurde bei Festlichkeiten mitgeführt, aber auch bei den Ausrückungen der Saalfeldener Schützen anlässlich der Freiheitskämpfe von 1800 bis 1809 ging sie den nunmehr zu Kompanien geformten Schützen voran.

 

Die damaligen Ereignisse hat im Jahre 1896 der damalige Bezirksrichter und Schützenmeister Karl Emerstorfer in dem „Gedenkbuch der Schützen vom Schießstand Saalfelden 1796-1896“ anlässlich der Weihe einer neuen Schützenfahne zusammengestellt und niedergeschrieben.

Der Abdruck der Schilderung aller damaligen Ausrückungen würde den Rahmen dieser Schrift sprengen. Es sollen deshalb an dieser Stelle nur auszugsweise die Ereignisse beim Kampf bei der „Halbstundenbrücke“ nahe Taxenbach wiedergegeben werden, wo es Wallner immerhin gelang, die Stellung gegen eine fast zehnfache Übermacht des Feindes mehrere Stunden zu halten, dann zu entkommen, wobei er bei der ganzen Aktion keinen Toten zu beklagen hatte!

Hier die Schilderung von Bezirksrichter Emerstorfer (original Schreibweise übernommen):

Am 26. Juli zog Wallner mit einer geringen Schar von Pinzgauern, darunter auch einer Schützencompagnie von Saalfelden unter ihrem tapferen Hauptmann Panzl, einem geborenen Mühlbacher, von Weißbach gegen Taxenbach; auf dem Wege dahin wuchs seine Schar auf 300 - 400 Mann an. Mit diesen wenigen Kämpfern wollte er der 7000 Mann starken Division DEROY die Stirn bieten.

 

Nur 3 Stunden vor der bairischen Vorhut des Generals Siebein erreichte Wallner die lange Brücke, die von der Bleiche bei Eschenau, K Stunde vor Taxenbach über die Salzach führt, ließ dieselbe zum Theil abtragen und nach Möglichkeit durch Verbaue decken und besetzen.

Der Feind nahte; ein inbrünstiges Gebet zu Gott dem Allmächtigen und mit dem Rufe: " Es lebe Kaiser Franz!“ eröffnete Wallner das Feuer. Es ging scharf her. Die Saalfeldener hatten hinter dem Bauernhause Mutzgrub Deckung genommen und schossen meisterhaft.

Doch schon eine der ersten Granaten steckte das Bauernhaus in Brand und zwang sie, eine weniger gedeckte Stellung einzurichten. Der Kampf wogte stundenlang und der Feind brachte immer neue Massen ins Treffen. Für die kleine Schar der Landesvertheidiger musste es trotz allen Muthes und trotz aller Tapferkeit auf die Länge zur Unmöglichkeit werden, Herr des Kampfplatzes zu bleiben.

Der entscheidende Augenblick trat aber erst ein, als es dem Feinde gelang, die Stellung der Vertheidiger zu umgehen. Wallner verlor, als er diese merkte, weder die Geistesgegenwart noch den Muth, befahl schnell den Rückzug durch die Wälder des Gschwandtnerberges und der Feind, der wähnte, seinen Gegner umzingelt zu haben und ihn gefangen nehmen zu können, fand nur mehr einige schwer Verwundete vor; die anderen waren wie verflogen und der Feind hatte das Nachsehen.

 

Volle 7 Stunden hatte die Schar der Salzburger dem Feinde im hartnäckigen Kampfe Stand gehalten und Proben von außergewöhnlichem Muthe abgelegt; die Vertheidiger zählten zwar keine Todten doch 20 Verwundete.

Nach Beendigung der Kampfhandlungen kam Saalfelden bis 1816 unter bayrische Hoheit. Alle Schützentätigkeiten waren verboten. Danach konnte die Schießtätigkeit wieder aufgenommen werden, wobei zunächst ein Schießstand am Brandlwirtsfeld benutzt wurde. Ab 1888 wurde beim Stockinggut geschossen.

Am 26.9.1896 fand die Weihe einer Schützenfahne statt, welche von der Schlossherrin von Lichtenberg, Frau Modesta Weiss-Tessbach gestiftet worden war. Die alte Fahne war, wie Emerstorfer schreibt, „im Lauf der vielen Jahre, in denen sie in Ehren bestanden hat, morsch geworden und stark zerschlissen“. Die 1896 geweihte Fahne befindet sich noch im Eigentum des 1. Saalfeldener Schützenvereins, wird aber nicht mehr bei Ausrückungen verwendet.

Die alte Fahne erhielt mit dem Einverständnis des damaligen Dechants Kostenzer einen „würdigen Ruheplatz, wert der Geschichte, die ihr anhaftet“. Sie wurde am rechtsseitigen ersten Pfeiler des Hauptschiffes der Saalfeldener Kirche aufgestellt, wo sie auch bis zum Jahre 1915 verblieb.

 

Letzer Einsatz der alten Schützenfahne und ihre Heimkehr nach langer Zeit!

In den Kriegsjahren 1914-15 stellte sich heraus, dass Italien vom Verbündeten zum Gegner werden sollte. Der italienische „Treuebruch“ stand bevor.

Für die damit entstehende Front fehlten aber die Soldaten. Man verfiel daher auf den Gedanken, Freiwillige anzuwerben, welche nach dem Muster der alten Freiheitskämpfer zu den Fahnen eilen sollten. Da die kampffähige Jugend schon im Felde lag, blieben für dieses Vorhaben nur sehr junge, sehr alte oder sonst untaugliche Männer übrig, welche nicht als Feldsoldaten, sondern als Schützen die Gebirgsübergänge schützen sollten.

 

So lautete zumindest die offizielle Erklärung bei der Anwerbung. Sobald die Truppenkörper aufgestellt und die Männer vereidigt waren, verlegte man sie zur Ausbildung nach Wolfsberg und dann an die Hochgebirgsfront im Bereich Nassfeld - Pontebba. Die Einheit hatte Bataillonsstärke und wurde „K.K. Freiwillige Schützen Salzburgs“ benannt.

Nach Ansicht des Verfassers ist der Begriff „Treuebruch“ wohl auch für die Vorgangs- weise der damaligen österreichischen Machthaber anzuwenden und dadurch stellt diese bisher letzte kriegerische Aktion der Salzburger Schützen zugleich ein dunkles Kapitel dar. Dabei ist aber den Schützen selbst keinerlei Schuld zuzuweisen. Sie stellten sich freiwillig für den Schutz der Heimat zur Verfügung, kämpften heldenhaft und entrichteten einen hohen Blutzoll.

Freiwillige aus dem Pinzgau hatten die alte Schützenfahne mitgebracht, wohl um auf die Parallelen ihres Vorgehens zu den Freiheitskämpfen von 1809 hinzuweisen. Das für die Einheit vorgesehene und von der Gräfin Szapary aus Ramingstein gestiftete Feldzeichen war bis zum Abmarsch der Truppen nicht fertig geworden, und so wurde die alte Fahne zum Feldzeichen ihrer Einheit erhoben.

Erwähnenswert ist auch, dass eine Anzahl von Maishofener Musikanten unter ihrem Kapellmeister Bartlmä Berloger sich unter den Freiwilligen befand. Berloger erwarb sich große Verdienste beim Aufbau einer Marschmusik für die K.K. Freiwilligen Schützen Salzburgs.

Nach dem Kriege verblieb die Fahne bei dem Kameradschaftsbund dieser Einheit, da  sie nach der Rückkehr der Einheit in Salzburg zunächst am Bahnhof stehen gelassen worden war.

Am 6. Oktober 1930 hielt die Saalfeldener Schützengesellschaft im Nebenzimmer des Gasthofs „Hirschen“ eine Schützenratssitzung ab, in welcher neben den üblichen Agenden auch ein Schreiben des Kameradschaftsbundes der Ehem. K.K. Freiwilligen Schützen behandelt wurde. In diesem Schreiben ersuchen diese, die schon sehr ramponierte Fahne restaurieren zu dürfen. Die Saalfeldener Schützengesellschaft gestattet dies, wie aus dem Protokoll hervorgeht, weist aber nachdrücklich daraufhin, dass die Fahne nach wie vor ihr Eigentum ist und fordert die Rückgabe nach erfolgter Restaurierung.

 

Den  bald einsetzenden Wirren der folgenden Zeit ist es wohl zuzuführen, dass dies dann nicht geschah. In welcher Form die Restaurierung stattfand, lässt sich leider nicht mehr nach­vollziehen. Die Fahne erhielt dabei jedenfalls die heute sichtbare Erscheinungs­form. Das nunmehr vorhandene Wappen gab es ursprünglich nicht, wie wir von Fotos aus dem Jahre 1896 wissen. Das Wappen dürfte aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts stammen. Woher es kommt, ist leider nicht mehr zu ermitteln.

Dass die Fahne die Wirren des zweiten Weltkrieges überdauerte, verdanken wir den K.K. Freiwilligen Schützen.

 

Hitler ließ alle alten Feldzeichen, deren er habhaft werden konnte, nach Berlin bringen, wo sich nach Kriegsende dann die Siegermächte bedienten.

 

Einer der Freiwilligen Schützen war damals im Festspielhaus beschäftigt und ver­steckte die Fahne während der Zeit des „Anschlusses“ im dortigen Fahnen Fundus. Er entzog sie so unter großem persönlichem Risiko Hitlers Zugriff. Die Fahne wurde nach dem Kriege bei Ausrückungen eingesetzt.

Ab 1984 allerdings nur mehr bei dem Begräbnis eines Freiwilligen Schützen, da bei allen anderen Anlässen eine von Landeshauptmann Haslauer gespendete Nachbildung verwendet wurde. Die letzte Ausrückung erfolgte beim Begräbnis des letzten noch lebenden Freiwilligen Schützen Sepp Preauer, welcher 97-jährig im Jahre 1994 verstorben ist.

 

So kommt dieser „hehre Zeuge aus großer Zeit“ (Zitat aus der Bataillons­ Geschichte der K.K. freiwilligen Schützen Salzburgs) schließlich doch wieder zu uns nach Saalfelden zurück. Es bedurfte der Hilfe vieler und des guten Willens aller Beteiligten. Es waren zu viele, um sie hier einzeln unter Nennung der Art und Bedeutung ihrer Mithilfe anfuhren zu können. Sie alle haben es für Saal­felden getan, und sie haben es mit Freude und mit Stolz getan. Was hat diese Fahne schon gesehen! Wie viel Tapferkeit und Kameradschaft, aber auch wie viel Elend und Tod! Wie viele Menschen sah sie kommen und gehen!

 

Sie zeigt uns, wie kurz und eigentlich unbedeutend das Leben eines einzelnen Menschen ist. Sie wird ihren Platz nicht mehr in der Saalfeldener Pfarrkirche finden, wo sie über hundert Jahre am ersten Pfeiler rechts des Hauptschiffes gestanden hat, sondern in unserem Heimatmuseum, wo sie unter optimal konservierenden Bedingungen noch vielen Generationen von großen und schweren Zeiten erzählen kann.

 

Wir alle hoffen und wünschen uns, dass sie nunmehr nie mehr wieder ihren Platz verlassen muss, um Männern voranzugehen, die die Freiheit unserer Heimat mit Blut und Leben verteidigen müssen.

 

"Letzter Einsatz der Schützenfahne und Heimkehhr nach langer Zeit!"

Geschrieben in Saalfelden im Herbst 1997

Verfasser: Dipl.-Ing. Heinz Zandl

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